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Klumernte

« Kirun ! » Der Schall hallte weit in den Tagesanbruch auf die Ebene der Astharie hinaus. Besonders am heutigen Festtag, wo die Arbeiter frei haben und der Betrieb nur gering tätig war. « Kiii-Ruuun ! » Aber, die zwischen den Klumstöcken hockende Gestalt hörte anscheinend die Rufe des dort um das Gebäude herumlaufende Kindes nicht. Die sich über die fleischigen Blätter beugende Ucikara, summte eine auf seltsamerweise missklingende Melodie. « Ki-i-run ! » Es handelte sich nicht um eine Beschwörung. Das Notennetz, das sie so vor sich her sang, trug keine Zauberei. Ihre Finger jedoch fanden mit Sicherheit, zwischen dem Grünen versteckt, die schönsten Früchte, welche noch die Träume der Nacht trugen, deren süße Haut und saftiges Fruchtfleisch noch von dem derben Sonnenlicht unberührt geblieben sind.

« Kirun ! » Das Kind tauchte ganz aufgeregt in der Furche auf und bremste scharf neben der Sammlerin. « Wo warst du denn ? Warum hast du den Kom abgeschaltet ? » Die Ra summte noch einen Augenblick die Melodie weiter, verfehlte eine Note – noch missklingender als die anderen - und unterbrach seufzend ihr Pflücken und ihre Musik. Sie richtete sich langsam auf und drehte sich zu ihrem Peiniger um : « Hättest du gestern Abend zugehört, als ich die Aufgaben für den heutigen Tag erteilte, bräuchtest du nicht zu Fragen, Hisnat. » Der Betroffene fuhr unter ihrem kalten Blick verdrossen etwas zusammen. « Warum machst du dir auch diese unnötige Mühe ? Die Silos sind mit Klums vollgestopft. Ich bin sicher, der Verwalter erlaubt dir, dich mit den besten zu bedienen. Auch von denen für die Stadt. Selbst wenn es nicht für den Preiswettbewerb wäre. Sowieso, alle machen doch immer was du willst. » Die letzten Worte waren von einem kleinen, reizenden Lächeln begleitet und die Ra bewahrte nur mit großer Mühe ihre strenge Miene. Der Bengel war frech und begabt für dieses Spielchen. Aber etwas Wahres war schon an seinen Worten. Niemand wollte bei der Köchin in Ungnade fallen. Der Verwalter genauso wenig wie die Anderen. Merkwürdigerweise verhinderte das Hisnat nicht daran, Unfug zu treiben, bis in ihre Küche.

Kirun schüttelte ihren Kopf, beugte sich wieder zu den Pflanzen hin, und bemerkte in schulmeisterlichem Ton, welcher keine Widerrede duldete : « Die besten Klums werden in der Morgendämmerung gepflückt, von Hand, den noch an den Früchten hängenden Träumen zuhorchend. Man macht aus den Klums des Vortages keinen guten Klumkuchen, aus den Klums, denen das Tageslicht den Zauber gestohlen hat. Das ist nun mal so. Und », fügte sie mit einem bedeutungsvollen, auf Hisnat gerichteten, Blick hinzu, « man kann keine guten Klums finden wenn man ständig unterbrochen wird. » Vorsichtig nahm sie dann das Summen wieder auf und versuchte den Jungen aus ihren Gedanken zu entfernen. Sie hatte nicht mehr viel Zeit übrig, wenn sie ihren Korb füllen wollte. Sie konzentrierte sich auf ihren Gesang und suchte nach dem in den Klums widerhallenden Nachklang. Aber Hisnat war nicht weggelaufen. Schlimmer, er zappelte immer noch um sie herum. Noch bevor sie eine neue Frucht finden konnte, platzte er schnell los : « Canca hat mich auf dem Kom angerufen. Die Legion ist schon in Shelifet ! Sie haben schon angefangen alles zu kontrollieren. Sie tragen das Hoheitszeichen von Kefalé’s Kagnivo ! Die Einheit die mit seinem Schutz beauftragt ist! Das heißt, er kommt wirklich ! Er kommt zum Frühlingsfest! In unseren Landesbezirk ! Kannst du dir das vorstellen ? Du, hast du schon jemals den Kefalé gesehen ? Ich werde ihm zeigen, wie gut ich kämpfen kann ! Glaubst du, er will mich in seiner Legion aufnehmen ? Ich bin zwar nicht groß, aber Cancan, den schlag ich immer ! » Kirun richtete sich nochmals auf und richtete ihr Gesicht zum immer heller werdenden Himmel. Es war zu spät. Sie musste also den Klumkuchen mit den bis jetzt gepflückten Klums backen. Sie prüfte sorgfältig, dass ihr Korb hermetisch abgeschlossen war, hob ihn auf und gab Hisnat den Hinweis in Richtung des Betriebes zu gehen. « Der Kefalé hat anderes zu tun, als sich mit einem ungezogenen Bengel abzugeben. Mehrere Distrikte haben sich über seine Verwaltung beschwert, deshalb kommt er her um uns klar zu machen, wie froh wir sein können, dass er und nicht irgendwer, aus einem anderen Kagnivo stammender, seinen Posten besetzt. Nichts mehr. Was die Legion betrifft, glaube mir, je weniger du in ihre Nähe kommst, desto besser für dich. » Aber Hisnat hörte ihr nicht zu. Mit einem Luftschwert bewaffnet tat er, vor ihr herlaufend, als ob er unsichtbare Feinde niederschmetterte. Kirun, in ihren Gedanken versunken, folgte ihm. Ihr Kuchen wird ganz bestimmt preisgekrönt werden. Wie alle Jahre. Alle sagen, dass sie die besten Klumkuchen im Distrikt mache, vielleicht auch die besten im ganzen Westen des Khastron. Wie hoch standen die Chancen, dass der Kefalé an dem Klumkuchenwettbewerb teilnahm ? Oder an der Preisaushändigung ? Wie sie es schon Hisnat gesagt hatte, er hatte wirklich anders zu tun, als sich für eine einfache Köchin zu interessieren, was immer ihre Kuchen auch für Vorzüge hatten … nicht wahr ?

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de/auteurs/lyne/reve_ordinaire/001.txt · Zuletzt geändert: 2016/09/14 06:49 (Externe Bearbeitung)

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